Zürich/Basel. Ein hellrosa Leinen-Zweireiher und eine blaue Field-Jacket aus Leinen – für das Cover eines internationalen Modemagazins kleidete das Zürcher Label Hockerty den Unternehmer und Social-Media-Star Gianluca Vacchi komplett nach Mass ein. Das Bemerkenswerte daran: Ein Massband kam nie zum Einsatz.
Drei Zahlen statt Massband
Klassisch entsteht ein Mass am Körper, mit Band und Kreide. Bei Hockerty genügen drei Angaben: Körpergrösse, Gewicht und Alter. Aus ihnen leitet ein digitales Körperprofil dreizehn Einzelmasse ab – von der Schulterbreite über den Brustumfang bis zu Arm- und Schrittlänge. Trainiert wurde das Verfahren über mehr als ein Jahrzehnt mit anonymisierten Daten aus Hunderttausenden Bestellungen.
Die errechneten Werte legen sich über ein dreidimensionales Abbild des eigenen Körpers und lassen sich vor dem Kauf einzeln kontrollieren und nachjustieren. Wer mag, lädt zusätzlich Referenzfotos hoch. Das fertige Profil bleibt für künftige Bestellungen hinterlegt.
Auch bei Vacchi bildeten Grösse, Gewicht und Alter den Ausgangspunkt, ergänzt um wenige Fotos. Anprobe? Fehlanzeige. Von jedem Teil entstand exakt ein Exemplar.

Vacchis Fazit: wie auf den Leib geschnitten
Die Aufnahmen für XMAG entstanden bei Vacchi zuhause nahe Bologna, jene im rosa Zweireiher direkt an seinem Lavendelfeld. Sein Urteil vor der Kamera: „Zum ersten Mal trage ich etwas, das nicht mir gehört, aber es gefällt mir, es ist, als wäre es mir auf den Leib geschneidert.“ (im Original auf Spanisch)

Zuerst gestalten, dann messen
Das Verfahren steht jeder Kundin und jedem Kunden offen – im Bestellablauf kommt es aber erst an zweiter Stelle. Zuerst wird gestaltet. Im 3D-Konfigurator wächst jedes Stück Schritt für Schritt: erst der Stoff, darunter Tuche italienischer Webereien wie Loro Piana, Vitale Barberis Canonico und F.lli Cerruti, dann Schnitt, Revers und Taschen, schliesslich Futter, Knöpfe, farbige Nähte und Initialen. Eine virtuelle Anprobe zeigt den kompletten Look schon vor der Produktion – auf Wunsch im Konferenzraum, an einer Hochzeit oder auf der Strasse.
Produziert erst nach dem Klick
Bei Hockerty liegt kein fertiges Kleidungsstück auf Lager. Der Stoff wird erst nach der Bestellung zugeschnitten; Anzüge, Hemden und Jacken entstehen in Shanghai, Schuhe in Spanien. Bis in die Schweiz dauert es rund zwei Wochen – in denen es das Stück streng genommen noch gar nicht gab. Der rosa Leinen-Blazer aus der Strecke kostet CHF 337. Sitzt am Ende etwas nicht, greift die Perfect Fit Guarantee: anpassen lassen und erstattet bekommen, oder kostenlos neu fertigen. Gegründet 2008, arbeitet Hockerty heute mit Teams in Zürich, Barcelona und Shanghai – und zeigt, dass ein gutes Mass keine Schneiderei mehr braucht, sondern aus drei Zahlen entstehen kann.

