Diese aus dem Rahmen fallende Fashion-Präsentation ist Teil des mehrtägigen Festivals «OMG Franck!», das während der Basel Art Week stattfindet und seine Bestimmung darin sieht, Mode mit Kunst, Performance und Clubkultur zu verbinden. Mit der Ausgabe 2026 setzen die
«OMG, Franck! Fashion Shows» ein klares Zeichen: Mode ist kein abgeschlossenes System, sondern ein offenes Spielfeld für radikale Ideen, kollektive Prozesse und neue Formen der Sichtbarkeit. Unter dem Titel «OMG Franck!» hat sich der diesjährige «Open Call» an Designer*innen sowie Künstler*innen und interdisziplinäre Kollektive gerichtet, welche die bestehenden Narrative hinterfragen und sich durch den Mut auszeichnen, das Thema «Mode» jenseits etablierter Konventionen zu denken.
Autorin: Gabriela Röthlisberger
Bilder: Kollektion «Paradox Tailoring» von CHELLE für OMG, Franck! 2025; Fotos von Bryan Schaffner, Samuel Bramley und Vitor de Oliveira für OMG, Franck! 2025
Der programmatische Ausruf «OMG Franck!» fungiert dabei weniger als Name denn als Haltung – eine ironische, vielleicht auch subversive Referenz an Autorenschaft, Geniekult und die Mechanismen der Modeindustrie. Wer ist Franck? Eine reale Figur, ein Archetypus oder ein Platzhaltender für Projektionen? Die vermeintliche Unschärfe ist durchaus gewollt, denn sie eröffnet Raum für Interpretation und lädt dazu ein, gewohnte Zuschreibungen von Kreativität, Originalität und Ownership zu dekonstruieren.
Zusammenfliessen von Mode, Kunst und Gesellschaft
Das Programm der «OMG, Franck! Fashion Shows», produziert von AUDA und kuratiert von Aurora D’Agostino, versteht sich als Plattform an der Schnittstelle von Mode, Kunst und Gesellschaft. Durch den «Open Call 2026» wurde an diese Tradition angeknüpft und zugleich verschob sich damit der Fokus: Gesucht wurden Positionen, die Mode als Medium nutzen, um Fragen unserer Zeit zu verhandeln – von Identität und Körperpolitik über Nachhaltigkeit und Post-Digitalität bis hin zu Ökonomie, Technologie und sozialer Praxis. Dabei geht es nicht um fertige Kollektionen im klassischen Sinne, sondern um Prozesse, Fragmente, performative Ansätze und experimentelle Formate.
Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf den kollaborativen Arbeitsweisen. In einer Branche, die lange von Individualisierung und Wettbewerb geprägt war, setzen die «OMG, Franck! Fashion Shows» bewusst auf Austausch und Vernetzung. So konnten die eingereichten Projekte kollektiv entstehen, sich über Disziplinen hinweg bewegen und neue Formen des Produzierens und Präsentierens erproben. Das Prinzip des «Open Calls» versteht sich somit auch als Einladung, bestehende Hierarchien aufzubrechen und alternative Modelle der Zusammenarbeit sichtbar zu machen.
Der Kontext Basel spielt eine zentrale Rolle
Als Stadt mit einer reichen kulturellen Infrastruktur und internationaler Ausstrahlung bietet die Stadt am Rheinknie durchweg ideale Voraussetzungen für einen Dialog zwischen lokalen und globalen Perspektiven. Die ausgewählten Positionen werden im Rahmen der «OMG, Franck! Fashion Shows» am Mittwoch, 17. Juni 2026, auf dem Franck-Areal präsentiert. Dabei finden zwei Fashion Shows statt – um 18.00 Uhr und um 20.00 Uhr. Diese Vielschichtigkeit spiegelt das Selbstverständnis der Plattform wider: Mode gehört nicht nur auf den Laufsteg, sondern in die Gesellschaft.
Internationalität willkommen!
Die Jury setzte sich aus internationalen Expertinnen und Experten aus Mode, Kunst, Theorie und Kuratierung zusammen. Bewertet wurden in erster Linie nicht nur ästhetische Qualität und Innovationsgrad, sondern auch konzeptuelle Tiefe, gesellschaftliche Relevanz und die Fähigkeit, bestehende Diskurse weiterzudenken. Die ausgewählten Labels für die diesjährigen Fashion Shows stehen inzwischen fest: Anastasia Bull; MANIEGA von Cristina Gonzalez Maniega; NOERAH von Laura Desch & Sarah Luethi; XAUM von Margaux Launay-Sajet; ELS (EdieLouStudio) von Edie Lou Freisinger; C’èce Serie von Eun Ji Choo; Sarah Bounab; Romy Hood von Corinna Mattner.
Den ausgewählten Teilnehmenden des «Open Calls» kam im Entwicklungsprozess eine umfassende Unterstützung zugute: Neben Produktionsbudgets und Präsentationsflächen umfasste dies auch kuratorische Begleitung, Mentoring sowie Zugang zu einem internationalen Netzwerk. Das angestrebte Ziel dabei war, nicht nur fertige Arbeiten zeigen zu können, sondern Entwicklungsprozesse zu fördern und somit langfristige Perspektiven zu eröffnen.
Hinterfragen erwünscht!
«OMG Franck!» ist somit mehr als ein Motto – es ist ein Aufruf zur Irritation, zur Übertreibung, zur spielerischen Aneignung. Es geht um das Hinterfragen von Autorität ebenso wie um das Feiern von Vielfalt und Widerspruch. In einer Zeit, in der Mode zunehmend zwischen Kommerzialisierung und Aktivismus oszilliert, schaffen die Fashion Shows einen Raum, in dem Ambivalenzen nicht aufgelöst, sondern produktiv gemacht werden.
Vielfalt erwünscht!
Der «Open Call 2026» richtete sich explizit auch an Nachwuchstalente und Stimmen, die bislang unterrepräsentiert waren. Diversität wurde nicht als Trend verstanden, sondern als grundlegende Voraussetzung für eine zukunftsfähige Modepraxis. Dementsprechend hatten Fashion Shows dieses Jahr Bewerber*innen aus unterschiedlichen kulturellen, sozialen und geografischen Kontexten ermutigt, ihre Perspektiven einzubringen.
Am Ende steht die Frage: Was kann Mode heute sein – und für wen?
«OMG Franck!» gibt darauf keine eindeutige Antwort. Stattdessen wurde mit dem «Open Call» ein Feld von Möglichkeiten eröffnet, in dem Mode als kritisches, poetisches und politisches Werkzeug neu verhandelt werden konnte. Zahlreiche Bewerber*innen waren bereit, die Risiken einzugehen, Grenzen zu verschieben und den eigenen Blick zu irritieren. Nun sind neugierige Zuschauer*innen eingeladen, Teil dieses Experiments zu werden.
Weitere Informationen
Die «OMG, Franck! Fashion Shows» finden während der Basel Art Week statt:
Wann: Mittwoch, 17. Juni 2026
Fashion Shows: 18.00 Uhr und 20.00 Uhr
Zeitraum «OMG, Franck!»: 15.–20. Juni 2026
Wo: Franck-Areal, Basel (Schweiz)
Das vollständige Programm sowie Tickets für die Fashion Shows gibt es unter omg-franck.ch.

