LASSOUDRY architects
Heutzutage balanciert Innenarchitektur im Spannungsfeld zwischen Ästhetik, Funktionalität und Nachhaltigkeit. Moderne Raumkonzepte gehen weit über die reine Gestaltung hinaus: Sie berücksichtigen Lichtführung, Materialwahl, Akustik und das emotionale Wohlbefinden der Nutzer*innen gleichermassen. Besonders im Fokus steht dabei die Verbindung von natürlichen Materialien mit innovativen Technologien, um Räume zu schaffen, die sowohl zeitgemäss als auch langlebig sind.
Autorin: Gabriela Röthlisberger
Interviewpartnerin: Samantha Lassoudry
GESCHÄFTSFÜHRER*IN BASEL: Frau Lassoudry, können Sie mir bitte die Essenz von Innenarchitektur in wenigen Worten erklären?
Samantha Lassoudry: Innenarchitektur beginnt mit aktivem Zuhören. Es geht darum, die expliziten und impliziten Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden zu erkennen – wie sie leben, sich bewegen und welche Visionen sie verfolgen. Ob für Privatpersonen, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen: Der Prozess ist stets gleich. Unser Ziel ist es, eine einzigartige Welt zu schaffen, die der Kundschaft nicht nur entspricht, sondern sie inspiriert. Bei Lassoudry legen wir Wert darauf, dass jedes Projekt ein Unikat bleibt. Dafür sind Empathie, Verständnis und die Fähigkeit, kreativ zu reagieren, unverzichtbar.
Woraus schöpfen Sie Ihre Kreativität und Inspiration?
Meine Inspiration schöpfe ich aus vielfältigen Erfahrungen: Reisen, Begegnungen, Musik, Kunst, Natur und Emotionen. Oft entstehen aus scheinbar einfachen Beobachtungen bedeutungsvolle Ideen, die sich in meinen Entwürfen widerspiegeln. Auch die Auseinandersetzung mit anderen Innenarchitekturen fliesst unbewusst in meine Arbeit ein. Doch am Ende geht es um Komposition – das bewusste Zusammenfügen verschiedener Einflüsse zu einer neuen, harmonischen Lösung.
Gab es in Ihrer Laufbahn als Innenarchitektin ein Projekt, welches Sie in besonderem Masse geprägt hat – und warum?
Ein besonderes Erlebnis war die Gestaltung des Hauptsitzes von Davidoff in Basel. Mein Wunsch war es, eine Empfangstheke mit Tabakblättern als zentrales Designelement zu schaffen. Nach intensiven Experimenten – unter anderem mit Gipsabgüssen von Tabakblättern – wurde klar, dass diese Idee umsetzbar war. Das Ergebnis war eine sechs Meter lange Theke mit Tabakblatt-Front, die bis heute beim Kundenkreis sowie den Besuchenden Begeisterung auslöst. Dieses Projekt zeigte mir: Mit Kreativität, Ausdauer und der Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten, lassen sich aussergewöhnliche Lösungen verwirklichen.

Wie sehen Sie Ihre berufliche Verantwortung im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch?
Nachhaltigkeit ist ein zentraler Wert in meiner Arbeit. Für mich bedeutet das die Wiederverwendung von Materialien und ressourcenschonende Transformationen, die Nutzung lokaler Materialien und Handwerker zur Minimierung von Transportwegen sowie die Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit der Gestaltungslösungen. Die wachsende Bedeutung dieses Themas – nicht zuletzt durch die Perspektive meiner Kinder – bestärkt mich darin, jeden Entwurf unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten zu betrachten. Unser Ziel ist es, Räume zu schaffen, die nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch einen langfristigen Mehrwert bieten.
Wie gehen Sie mit den Bedürfnissen und Wünschen der Kundschaft um?
Unser Ansatz ist kundenorientiert und partizipativ. Bevor wir entwerfen, widmen wir uns dem Verstehen der Wünsche, Lebensstile und Visionen unserer Kunden. Standardlösungen sind nicht unser Ziel – stattdessen entwickeln wir massgeschneiderte Konzepte, die Flexibilität, Funktionalität und Individualität vereinen. Die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft ist dabei ein kontinuierlicher Dialog, in dem Ideen gemeinsam wachsen.
Sie wirken zusätzlich als Produktdesignerin. Wie bereichert dies Ihre Arbeit als Innenarchitektin – und umgekehrt?
Produktdesign ist für mich eine natürliche Ergänzung zur Innenarchitektur. Wenn für ein Projekt keine passenden Möbel, Leuchten oder Materialien auf dem Markt verfügbar sind, entwickle ich sie selbst. Diese individuellen Lösungen sind oft so gelungen, dass sie über das ursprüngliche Projekt hinaus Interesse wecken. Dennoch bleiben viele Entwürfe exklusive Unikate, die speziell für einen Kunden und seinen Raum geschaffen werden.

Welche Rolle spielen Trends (zum Beispiel Minimalismus, Biophilie) in Ihrem Arbeitsumfeld – und wie viel Raum bleibt noch für zeitlose Lösungen übrig?
Trends spielen in meiner Arbeit keine leitende Rolle. Statt mich an vorübergehenden Stilen zu orientieren, setze ich auf zeitlose Prinzipien wie Einfachheit, Funktionalität und Materialgerechtigkeit. Der Leitsatz «Weniger ist mehr» prägt meine Entwürfe: Reduktion auf das Wesentliche ermöglicht es Materialien und Formen, ihre eigene Sprache zu entwickeln. Inspirationen aus anderen Projekten fliessen zwar ein, doch am Ende entsteht immer eine eigenständige Komposition, die sich an den Bedürfnissen der Nutzer ausrichtet.
Digitalisierung, Modularität, neue Technologien, zum Beispiel VR, KI, 3-D-Druck – wie sehen Sie die Entwicklung der Innenarchitektur in den nächsten zehn Jahren?
Technologien wie VR, KI oder 3-D-Druck bieten neue Möglichkeiten, effizienter oder innovativer zu arbeiten. Doch sie ersetzen nicht das menschliche Element – die Kommunikation zwischen Innenarchitektinnen und Innenarchitekten sowie der Kundschaft bleibt unverzichtbar. Mein Ansatz bleibt: zuhören, analysieren, verstehen und dann gestalten. Technologie kann den Prozess unterstützen, aber die Kreativität und das handwerkliche Verständnis bleiben die treibenden Kräfte.
In den nächsten zehn Jahren sehe ich eine Verschmelzung von Digitalisierung und Handwerk, die es uns ermöglicht, noch präziser und nachhaltiger zu arbeiten, ohne dabei die menschliche Note aus den Augen zu verlieren.

