Autor: Marcel W. Buess
Am 5. Dezember 2025, dem Internationalen Tag der Freiwilligenarbeit, begann das von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Jahr der Freiwilligenarbeit IVY 2026. Die UNO ruft Regierungen, Organisationen und Gemeinschaften weltweit dazu auf, sich für das ehrenamtliche Engagement einzusetzen und dieses zu fördern. Vor allem geht es darum, dass die Leistungen von Freiwilligen gebührend anerkannt werden, denn das freiwillige Engagement spielt eine zentrale Rolle bei der Stärkung der Resilienz und des gesellschaftlichen Fortkommens. Laut dem «Freiwilligen Monitor Schweiz» ist Freiwilligenarbeit Ausdruck einer aktiven Zivilgesellschaft. «Sie stärkt den sozialen Zusammenhalt und ist eine zentrale Grundlage für die lebendige direkte Demokratie.» Der Freiwilligen-Monitor erhebt laufend Zahlen über das Engagement in der Zivilgesellschaft. Er wird von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) herausgegeben und vom Migros-Kulturprozent, der Beisheim-Stiftung und rund 30 Partnerorganisationen mitgetragen.
Die von diesem Monitor für das Jahr 2025 erhobenen Zahlen sind eindrücklich: 86 Prozent der Schweizer Bevölkerung engagieren sich im Laufe eines Jahres in irgendeiner Form freiwillig. Zwei Drittel engagieren sich permanent ehrenamtlich und leisten mindestens einmal im Jahr unbezahlte Arbeit. Dies entspricht 590 Millionen Stunden pro Jahr. Unser Land liegt nach Norwegen europaweit auf dem zweiten Platz.
41 Prozent der Bevölkerung tun dies in Vereinen und Organisationen. 51 Prozent engagieren sich, indem sie Betreuungs- und Pflegeaufgaben sowie unterschiedliche Helferdienste übernehmen. Und 53 Prozent spenden Geld für einen gemeinnützigen Zweck. Bricht man dieses eindrückliche Zahlengerüst nur auf das ehrenamtliche Engagement in sozialen und karitativen Organisationen hinunter, stellen wir fest, dass rund 270’000 Personen schätzungsweise ein jährliches Arbeitsvolumen von 30 Millionen Stunden leisten.
Kurzum: Ohne freiwilliges Engagement würde in der Schweiz vieles nicht funktionieren. Ein nicht unerheblicher Anteil unserer Bevölkerung setzt sich für die Gemeinschaft, das dörfliche Leben und den sozialen Zusammenhalt ein. Diese Menschen übernehmen Verantwortung für andere und leisten damit einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert für unsere Gesellschaft. Dieses enorme Engagement wird oft als selbstverständlich empfunden und damit auch nicht in dem Masse wertgeschätzt, wie es eigentlich geboten wäre. Das Internationale Jahr der Freiwilligenarbeit bietet die Chance zum Umdenken.
Der deutsche Schriftsteller Erich Kästner hat in seinem berühmten Satz «Es gibt nichts Gutes. Ausser man tut es.» bewusst einen Punkt zwischen die zwei Aussagen gesetzt. Denn das «Gute an sich» gibt es rein philosophisch betrachtet eigentlich nicht. Vielmehr muss man etwas für das Gute tun, sich entsprechend engagieren. Und in diesem Sinne müssen wir den vielen Menschen in unserem Lande dankbar sein, die genau dies tun.

