Letztes Jahr feierte Radio X, Basels einziges nicht kommerzielles Lokalradio,
seinen 20. Geburtstag. Ende Oktober folgte dann quasi als regierungsrätliches
Geburtstagsgeschenk im Rathaus die Übergabe des Basler Kulturpreises 2018.
Der mit 20’000 Franken dotierte Basler Kulturpreis wurde 2018 zum 46. Mal vergeben und zeichnet aussergewöhnliche Leistungen und ein hohes Engagement für das regionale Kulturleben aus. Mit der Auszeichnung wird die hohe Relevanz von Radio X für die Kulturszene in der Region, insbesondere für die Jugend- und Popkultur, gewürdigt. Laut Basler Regierung überzeuge der Jugend- und Kultursender zudem durch sein interkulturelles Engagement, den Einsatz für kulturelle Teilhabe und die damit verbundene niederschwellige Zugänglichkeit. Als kollektiv organisierte Trägerschaft und Ausbildungsstätte für junge Medienschaffende sei er gesellschaftlich relevant und trage nachhaltig zur Nachwuchsförderung und einer lebendigen Medienvielfalt der Region bei.
Seit dem 19. April 1998 ist Radio X auf Sendung und wird täglich von rund 50’000 Hörerinnen und Hörern über den aktuellen technischen Standard DAB+, UKW sowie via Kabelnetzen und Internet in den Grossregionen Basel, Zürich, Bern, im Kanton Aargau und in der Innerschweiz empfangen. Im Interview gibt Thomas Jenny, Geschäftsführer und Mitgründer von Radio X, seiner Freude über den Basler Kulturpreis Ausdruck.
«Geschäftsführer»: Wie gross war Ihre Freude, als Sie von der Vergabe des Basler Kulturpreises 2018 an Radio X erfuhren?
Thomas Jenny: Neben der Freude empfand ich vor allem grosse Genugtuung, denn damit fand bis zu einem gewissen Grad eine lange und mit vielen Widerständen behaftete Geschichte ein gutes Ende, wobei die Geschichte von Radio X natürlich weitergehen wird. Man darf nicht vergessen, dass wir schon seit 1993 für Radio X gekämpft hatten und wir uns lange gegen den Willen der beiden Basler Regierungen, welche partout nur Radio Basilisk und Radio Raurach bewilligen wollten, wehren mussten, ehe wir am 19. April 1998 auf Sendung gehen konnten. Sprechen wir also von Wertschätzung, die wir durch die Vergabe des Preises erfahren haben.
Radio Raurach gibt es schon lange nicht mehr, und Radio Basilisk scheint, zumindest was jugendkulturelle Relevanz anbelangt, nicht förderungswürdig zu sein …?
Wie vor allem die stadtbaslerische Politik die Leistung anderer Radiostationen aktuell würdigt, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich darf nur feststellen, dass ich von linken bis bürgerlichen Spitzenpolitikerinnen und -politikern zum Kulturpreis beglückwünscht worden bin, und kann nur auf das reagieren, was die Basler Regierung diesbezüglich zu Radio X sagt, nämlich dass Radio X eine wichtige Plattform für regionales Kulturschaffen, Lokalpolitik und authentische Jugendkultur biete und der Basler Kulturszene eine signifikante Stimme verleihe, indem es Förderplattformen für die regionale und nationale Musikszene schafft und diese in partizipativen Formaten vermittelt. Damit komme Radio X eine zentrale Rolle in der Erhöhung der Wahrnehmung des regionalen pop- und jugendkulturellen Schaffens zu, die in dieser Form einmalig und wertvoll sei. Damit ist zum ersten Mal ein Medium mit dem Kulturpreis der Stadt Basel ausgezeichnet worden! Besonders freut mich, dass das kontrastreiche Programm von Radio X, sein soziales Engagement und damit der integrative Charakter für die Kulturstadt Basel gewürdigt wird. Ebenso erfreulich ist, dass die Regierung auch die Organisationsform von Radio X, in der Integration, Partizipation und Zugänglichkeit nicht nur propagiert, sondern im journalistischen Alltag gelebt und umgesetzt wird, hervorgehoben hat. Nicht unbemerkt geblieben scheint zudem, dass Radio X sich zu einer wichtigen Ausbildungsstätte für junge Journalistinnen und Journalisten entwickelt hat und so zur Nachwuchsförderung und zu einer lebendigen Medienvielfalt in der Region beiträgt.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass Radio X mit einem Preis ausgezeichnet worden ist – 2013 wurde dem Sender der Basler Integrationspreis verliehen, nun der Kulturpreis – wie wird das Preisgeld von 20’000 Franken verwendet?
Die eine Hälfte geht direkt an die Programmschaffenden, die andere Hälfte wird für die Modernisierung unserer Homepage verwendet.
Wie lange werden Sie noch an der Spitze von Radio X stehen – als «Jugendlicher» gehen Sie ja nicht mehr unbedingt durch?
(lacht) Das habe ich auch nie behauptet. Deshalb sind es schon lange die jungen Leute, die das Programm von Radio X machen, ich fungiere hier mehr als Manager und Coach. Eine Zäsur könnte 2024 erfolgen – so lange sollte die aktuelle Konzession vom Bund laufen, und auf diesen Zeitpunkt richten wir den 2018 gestarteten Strategieprozess aus. Dann werde ich 60 sein und auch mir Fragen zu meiner Zukunft beantworten müssen. Im Moment macht Radio X aber immer noch sehr viel Spass und bietet genügend Herausforderungen; ich habe mir ehrlich gesagt diesbezüglich noch nicht allzu viele Gedanken gemacht.


