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Home»Aktuell»Innovativ in bewegten Zeiten
So sieht die geplante Überbauung in Pfeffingen aus.
Aktuell

Innovativ in bewegten Zeiten

Schweizer FachmedienBy Schweizer Fachmedien11. September 2022Keine Kommentare5 Mins Read

Architektur ist nüchtern betrachtet die Kunst, unterschiedliche Herausforderungen in einem komplexen Prozess unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig gilt es, eine eigene Handschrift immer wieder neu umzusetzen. In den letzten Jahren sind noch einige Herausforderungen dazugekommen, zum Beispiel hinsichtlich der Energiewende.

Antonio Stefanelli leitet ein Familienunternehmen und präsentiert uns im folgenden Interview einige Referenzbeispiele und seine Familienmitglieder, die ein innovatives Architekturunternehmen am Markt halten.

Geschäftsführer*in Basel: Wir befinden uns in bewegten Zeiten. Auch in der Baubranche ist die Digitalisierung angekommen. Ein zweiter zentraler Trend ist die Energiewende, die jetzt auch in der Schweiz einen neuen Schub erhalten hat. Fühlen Sie sich als Architekt in Ihrer kreativen Freiheit eingeschränkt oder spornt Sie diese Entwicklung gerade an?

Antonio Stefanelli: Nein, ich fühle mich nicht eingeschränkt. Im Gegenteil, ich will die Energiewende mitgestalten. Es geht darum, gute Architektur und Anforderungen wie die der Wärmedämmung und der Solarenergie unter einen Hut zu bringen. Das ist eine Herausforderung, aber sie öffnet auch neue Gestaltungsräume.

Ist das Thema auch auf der Kundenseite angekommen? Spüren Sie da eine Veränderung des Meinungsbildes?

 Lassen Sie es mich so formulieren: Ein guter Architekt entwickelt Lösungen, die zum Kunden passen, aber auch die Energiewende im Blick haben. Das Vertrauensverhältnis ist dabei die zentrale Grundlage. Dann kann man auch zu neuen Ufern aufbrechen und beispielsweise ein Solaranlage auf dem Dach und einen Speicher im Keller auf die Agenda nehmen. Die Solartechnik ist ausgereift, im Vergleich zu anderen Energieträgern jetzt auch billiger und sieht heute auch noch gut aus. Aus diesem Grund haben wir mit einem Projekt schon 2019 den Solarpreis der Schweiz gewonnen.

Aber gibt es von Kundenseite nicht auch Widerspruch gegen nachhaltige Lösungen?

Ja, aber das musss man aushalten. Ich gestalte gerade eine Villa und der Statiker präferiert für das Obergeschoss eine Holzlösung. Das kann dann auch zur Nachhaltigkeit beitragen. Der Kunde sagt aber Nein zum Baustoff Holz. Da muss ich dann auch zurücktreten und eine andere Lösung finden. Das sind aber eher Ausnahmefälle.

Umbauten und Sanierungen erfordern ein professionelles Fingerspitzengefühl – nehmen wir den Essigweg in Pratteln. Schildern Sie uns die vorgefundene Situation und was Sie daraus gemacht haben.

 Das ist ein Einfamilienhaus aus den Sechzigerjahren am Berghang in Pratteln mit einem wunderschönen Blick auf die Rebenberge. Hier konnten wir das Fundament, den Keller und das Sockelgeschoss weitestgehend erhalten. Dann haben wir darüber umgebaut und aufgebaut. Dabei ist das oberste Geschoss eine Holzlösung. Hier sind wir damit gut gefahren und ich finde, es sieht auch gut aus. Nachhaltigkeit kann gut aussehen. Am Beispiel des Essigwegs in Pratteln kann man dies belegen. Der «Vorher-nachher-Effekt» fällt auf den ersten Blick positiv auf. Man sieht an diesem Beispiel auch, dass nicht immer alles abgerissen und entsorgt werden muss. Man kann oft mit vorhandener Struktur und alten Materialein neu weiterarbeiten.

 Sind wir da beim Thema Kreislaufwirtschaft?

Ja, und es sieht gut aus. Vorbehalte wie Nachhaltigkeit bedeutet Verzicht und sieht belanglos aus, die es immer noch gibt, können mit praktischen Beispielen widerlegt werden.

Trotzdem sind der Kostenrahmen und dessen Einhaltung, gerade beim Thema Sanierung, nicht von der Hand zu weisen.

Genau das Beispiel in Pratteln belegt, wie man Kosten sogar einsparen kann. Wenn der Keller ersetzt worden wäre, hätte das die Errichtung einer neuen Baugrube bedeutet, mit all den zusätzlichen Aufwendungen, beispielsweise einer Absicherung. Das wäre sehr viel teurer geworden. So konnte der Keller als Stabilisierung für den neuen Aufbau verwendet werden. Zusammengefasst: Die gewählte Lösung war ökologischer und günstiger. Natürlich ist das eine Herausforderung, aber dafür sind Architekt*innen da.

«BELLA-VISTA» ist ein Bauvorhaben in Pfeffingen und klingt nach italienischem Lebensstil. Was verbirgt sich dahinter?

 Es ist ein Bauprojekt meiner Firma Stefanelli Projektmanagement AG mit dem klangvollen Namen «BELLA-VISTA», für welches wir im Juni dieses Jahres die Baubewilligung erhalten haben. Entstehen werden sechs Einfamilienhäuser, welche höchste Lebensqualität an einer besonderen Lage versprechen.

Auf einem Hang mit einem wunderschönen Ausblick harmonisieren die Häuser miteinander. Die moderne und zeitlose Architektur wird durch Spitzenqualität geprägt.

 Kann ein Familienunternehmen es schaffen, die unterschiedlichen Kompetenzen, die es auf dem Bau braucht, zielgerichtet einzubringen?

 Es müssen einige am selben Strang ziehen und gut miteinander harmonieren.

Wie ist das bei Ihnen?

Unser Büro besteht rein aus Familienmitgliedern. Meine älteste Tochter Natascha Stefanelli hat zuerst die Ausbildung als Zeichnerin in der Fachrichtung Architektur gemacht. Dann hat sie die Berufsmatura abgeschlossen und jetzt studiert sie an der Hochschule Luzern (HSLU) am Fachbereich Innenarchitektur und macht in zwei Jahren ihren Abschluss. Dann ist sie Innenarchitektin mit Bachelor of Arts in Innenarchitektur. Gleichzeitig arbeiten wir auch schon zusammen und das ist für mich eine spannende Kombination. Nebst unserem Architektur-Kerngeschäft leiten wir noch die Innenarchitekturfirma Arte-Due Design & Innenarchitektur GmbH. Diese beinhaltet besonders die Umsetzung von Umbauten und die Planung für die Innenausstattung. Hier arbeiten wir eng mit der Firma Arclinea zusammen und haben uns besonders auf Küchen und Bäder spezialisiert. Die meisten Möbel beziehen wir von italienischen Designerfirmen. Seit Neuestem führen wir nebenbei noch einen Online-Shop, bei dem wir unter anderem Leuchten und Vasen verkaufen.

Mein jüngerer Sohn, Gabriele Stefanelli, ist für die kaufmännischen Bereiche zuständig. Er verwaltet die Buchhaltung aller Firmen und führt auch die ganze Administration. Ausserdem bewirtschaftet er die Immobilien unserer Firmen. Mein jüngster Sohn besucht aktuell die Sekundarschule. Wer weiss, vielleicht stösst er früher oder später dazu. Da viele Rollen in meinem Betrieb an meine Kinder verteilt sind, konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Architektur.

Das Tochter-Vater-Verhältnis ist aber nicht immer konfliktfrei.

Wir haben zunächst unterschiedliche Ausgangspunkte. Sie bringt viel Fachwissen mit. Davon profitiere ich auch und kann dazulernen. Ich komme umgekehrt aus der Praxis und freue mich immer wieder, die beiden Perspektiven und die jeweils besten Methoden zu kombinieren. In der Berufswelt ist die Praxis die Realität. Aber insgesamt sind diese beiden unterschiedlichen Sichtweisen wichtig, um zu guten Lösungen zu kommen.

 Aber braucht es trotzdem externe Kräfte, um komplexe Bauvorhaben zu realisieren?

 Natürlich. Wir kennen unsere Zeichner und Bauleiter seit Jahren und haben Vertrauen aufgebaut. Das ist eine gute Grundlage für innovative Umsetzungen.

Antonio Stefanelli ist Geschäftsinhaber und Architekt.
Aus Alt mach Neu: ein Objekt im Essigweg in Pratteln.

www.stefanelli.ch

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